Guckkasten in die Geschichte: Die Falkenhausen-Zimmer im Museum Retti Palais Ansbach
Was hat ein Bild aus dem 18. Jahrhundert mit virtueller Realität zu tun? Welche Rolle spielen die letzten beiden Ansbacher Markgrafen? Und wo versteckt sich ein ungewöhnlicher Drache? Antworten auf diese Fragen gibt ein Besuch in den Falkenhausen-Zimmern im Museum Retti Palais Ansbach.
Dort hängt ein eher unscheinbares Gemälde des letzten Ansbacher Hofmalers Johann Michael Schwabeda genau an der Stelle, für die es einst geschaffen wurde. Wer genauer hinsieht, entdeckt darauf nicht nur eine höfische Gesellschaft, sondern auch einen Schausteller mit einem sogenannten Guckkasten – einer Attraktion, die im 18. Jahrhundert ähnlich faszinierte wie heute virtuelle Realität.
Der Museumsschatz im Überblick
Falkenhausen-Zimmer mit Guckkasten-Bild
Ort: Museum Retti Palais Ansbach
Stadt: Ansbach (Romantisches Franken)
Sehenswert: Guckkasten-Gemälde, Rokokodecke
Hinweis: Öffnungszeiten bitte vorab prüfen.
Ein Guckkasten als VR-Brille des 18. Jahrhunderts
Im Zentrum des Gemäldes steht ein Schausteller mit einer großen Holzkiste auf Rädern. Um ihn herum scharen sich Kinder, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Diese Kiste ist ein Guckkasten.

Solche Guckkästen waren im 18. Jahrhundert beliebte Attraktionen auf Jahrmärkten, aber auch in Adelskreisen. Im Inneren befanden sich hinterleuchtete, farbige Kupferstiche. Sie zeigten zum Beispiel religiöse oder mythologische Szenen, ferne Länder oder exotische Darstellungen.
Der Blick in den Guckkasten war für die Menschen damals ein besonderes Erlebnis: farbig, geheimnisvoll und überraschend räumlich. In gewisser Weise lässt sich der Effekt mit einer heutigen VR-Brille vergleichen. Wer hineinsah, tauchte für einen Moment in eine andere Welt ein.
Die Falkenhausen-Zimmer im Retti Palais
Das Guckkasten-Gemälde ist Teil einer besonderen Raumausstattung im Retti Palais Ansbach. Es befindet sich in den sogenannten Falkenhausen-Zimmern, die sich über zwei Räume erstrecken.
Zusammen mit fünf weiteren Bildern wurde das Gemälde in die holzvertäfelten Wände eingelassen. Darüber spannt sich eine reich verzierte Rokokodecke mit Stuckornamenten. Wer aufmerksam durch die Räume geht, entdeckt viele Details – darunter in den Ornamenten der Spiegelwand sogar einen ungewöhnlich weiblich dargestellten Drachen.
Gerade diese Verbindung aus Malerei, Raumgestaltung und versteckten Details macht die Falkenhausen-Zimmer zu einem Museumsschatz, der sich nicht auf den ersten Blick vollständig erschließt. Man muss genauer hinsehen – und wird dafür mit Geschichten belohnt.

Markgrafen, Familiengeschichte und ein besonderes Geschenk
Wer auf dem Guckkasten-Bild dargestellt ist, erschließt sich erst durch die Geschichte der Räume. Einen entscheidenden Hinweis liefert ein Detail auf einem weiteren Gemälde: Auf einem Stillleben liegt ein Brief auf einer kleinen Spanschachtel. Empfänger ist Friedrich Carl von Falkenhausen, Absender ist niemand Geringeres als der letzte Ansbacher Markgraf Carl Alexander.
Dessen Vater, Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, auch bekannt als der „wilde Markgraf“, hatte mit der Tochter seines Falkners eine Nebenlinie gegründet: die Familie von Falkenhausen.
Friedrich Carl von Falkenhausen war somit der Halbbruder des letzten Ansbacher Markgrafen Carl Alexander. Die Ausstattung der beiden Räume im Retti Palais war ein Geschenk des jungen Markgrafen an seinen Halbbruder. So wird schließlich klar, wer auf dem Guckkasten-Bild zu sehen ist: der Markgraf und die Familie Falkenhausen.
Warum das Retti Palais zu Ansbach gehört
Doch nicht nur die Falkenhausen-Zimmer erzählen Geschichte: Auch das Retti Palais selbst ist eng mit der Geschichte Ansbachs verbunden. Erbaut wurde es vom lombardischen Architekten Leopoldo Retti, der es ursprünglich als eigenes Wohnhaus errichtete. Im Jahr 1760 übernahm die Familie Falkenhausen den Stadtpalast.
Somit treffen im Museum Retti Palais mehrere Ebenen Ansbacher Geschichte aufeinander: Architektur, Hofkultur, Familiengeschichte und die Welt der Markgrafen. Die Falkenhausen-Zimmer machen diese Geschichte besonders anschaulich – nicht durch große Gesten, sondern durch Details, Bilder und Räume, die noch heute von ihrer ursprünglichen Funktion erzählen.
Ansbach entdecken: Hofgarten und Leonhart-Fuchs-Garten

Wer das Museum Retti Palais besucht, sollte auch Zeit für einen Spaziergang durch Ansbach einplanen. Zu den Höhepunkten der Stadt gehört der Ansbacher Hofgarten mit Orangerie, barocken Blumenarrangements und Baumalleen.
Dort wächst auch ein Stück Botanik-Geschichte: der Leonhart-Fuchs-Garten. Er erinnert an den markgräflichen Leibarzt und Botaniker Leonhart Fuchs, der 1528 an den Hof der Ansbacher Markgrafen kam. Später wurde er als einer der „Väter der Botanik“ bekannt.
Sein Hauptwerk, das „New Kreüterbuch“, erschien 1543 in deutscher Sprache und beschrieb zahlreiche Pflanzen und ihre Wirkungsweisen. Passend dazu wurde der Heilkräutergarten im Ansbacher Hofgarten 2001 anlässlich seines 500. Geburtstages angelegt und orientiert sich an diesem botanischen Erbe.
Kleine grüne Oase in der Altstadt: das Zumach-Gärtchen
Auch mitten in der Altstadt gibt es in Ansbach Orte zum Durchatmen. Hinter dem Gasthaus „Zum Mohren“ liegt das Zumach-Gärtchen, ein kleines Barockgärtchen.
Benannt ist es nach dem ehemaligen Ansbacher Oberbürgermeister Dr. Ernst-Günther Zumach. Von ihm stammt außerdem die Figur, die den Garten schmückt: ein vergnügter Flötenspieler des Bildhauers Ernst Steinacker. Im Sommer trägt dieser manchmal sogar ein kleines Blümchen zwischen den Fingern.
Solche Orte machen Ansbach zu einem schönen Ziel für alle, die Kultur, Stadtgeschichte und ruhige Entdeckungen verbinden möchten.
Ansbach mit dem Rad erleben
Auch rund um Ansbach lässt sich Geschichte aktiv entdecken. Wer mit dem Rad unterwegs ist, folgt häufig dem Wasser – etwa entlang von Altmühl oder Rezat.

Besonders im Sommer sind Badestellen wie der Scheerweiher oder bei längeren Touren der Altmühlsee schöne Ziele. Eine kulinarische Besonderheit bieten die Karpfenteiche rund um Ansbach, zum Beispiel auf der „Kleinen Karpfenrunde“. Fangfrischer Karpfen wird traditionell von September bis April serviert.
Eine spannende geografische Besonderheit ist außerdem die Europäische Hauptwasserscheide nahe Ansbach. Hier entscheidet sich, ob Wasser über Altmühl und Donau ins Schwarze Meer oder über Regnitz, Pegnitz, Main und Rhein in Richtung Nordsee fließt.
Wer Radtouren rund um Ansbach plant, findet auf der Tourenplattform komoot mehrere Routenvorschläge mit Karten sowie Beschreibungen.
Ansbacher Spezialitäten: Bratwurst mit Bändel
Ansbach ist einer von Bayerns ausgezeichneten Genussorten – nicht zuletzt wegen der Ansbacher Bratwurst. Sie unterscheidet sich von vielen anderen fränkischen Bratwürsten: Klassischerweise kommt sie aus der Pfanne und nicht vom Rost.
Für die Ansbacher Bratwurst wird Schweinefleisch verwendet, gewürzt mit Salz, Pfeffer, Majoran und Piment. Erkennbar ist sie an ihrem sogenannten Bändel, das im gebratenen Zustand wie eine weiße Naht aussieht.

Serviert wird sie zum Beispiel in traditionsreichen Gasthäusern wie dem „Zum Mohren“ oder im „Bratwurst Glöckle“. Wer es lieber süß mag, findet in Ansbach ebenfalls passende Adressen – etwa Cupcakes, Cake Pops, Cookies oder Macarons bei „Danys Cupcakery“. Kaffeehandwerk und Kaffeeschule bietet das „Green & Bean“.
So lässt sich ein Museumsbesuch in Ansbach wunderbar mit einem kulinarischen Stadtspaziergang verbinden.
Für wen lohnt sich der Besuch im Museum Retti Palais Ansbach?
Ein Besuch der Falkenhausen-Zimmer lohnt sich besonders für alle, die sich für Ansbacher Stadtgeschichte, Markgrafen, Rokoko und historische Bildwelten interessieren.
Der Museumsschatz ist aber auch für Menschen spannend, die gerne Details entdecken: den Guckkasten als frühe Form visueller Unterhaltung, die Verbindung zur Familie Falkenhausen, die Rokokodecke oder die versteckten Hinweise in den Gemälden.
Zusammen mit Hofgarten, Altstadt, Gärten, Radtouren sowie regionalen Spezialitäten wird daraus ein vielseitiger Kultur- und Genussausflug nach Ansbach. Auch ohne Auto lässt sich der Besuch gut planen: Ansbach ist mit der Bahn erreichbar, vom Bahnhof Ansbach geht es zu Fuß oder mit dem Stadtbus weiter in Richtung Innenstadt und Museum.


