Fränkische Glücksschweine im Steigerwald

„Schwein haben“ bedeutet Glück – das weiß wohl niemand besser als Johannes Buchner. Seit über zehn Jahren züchtet er auf seinem Hof in Oberlaimbach im Steigerwald Freilandschweine, die „Steigerwälder Schwarzerle“. Die Tiere genießen die Nähe zur Natur genauso wie der Landwirt. Auch Feinschmecker und Feinschmeckerinnen freuen sich, denn das Fleisch schmeckt einfach „saugut“!

Mein Name ist Barbara Keil, ich bin an der Grenze zum Reiseland Franken aufgewachsen und habe schon als Kind gern meine fränkischen Verwandten besucht. Doch erst als ich vor einigen Jahren anfing, als Redakteurin beruflich nach Franken zu reisen, ist mir klar geworden, wie unglaublich vielfältig die Region ist. Jeder Ausflug bietet neue überraschende Entdeckungen und spannende Begegnungen mit den Menschen vor Ort!

Mit den Hausbesuchen begleiten wir Einheimische bei ihrem täglichen Wirken im Urlaubsland Franken. Im Steigerwald treffe ich auf die „Schwarzerle“ von Johannes Buchner, der mit seinem Hof auf regionale Erzeugnisse setzt.

Schlappohren fliegen, rosa Nasen tauchen im Grün auf und ab, Ferkel, die gerade noch unterm Baum geruht haben, setzen zum Schweinsgalopp an: Wenn Besucher und Besucherinnen auftauchen, zieht es die „Schwarzerle“ an den Zaun. Den Sommernachmittag verbringen die Schweine normalerweise eigentlich gern dösend im Schatten oder mit „Wellness“ in der Schlammsuhle. „Schwein müsste man sein“, kommentiert Johannes Buchner lachend. So gemütlich verlaufen seine Arbeitstage bei weitem nicht. Trotzdem wirkt der dynamische Landwirt aus dem Steigerwald ebenso entspannt wie die Vierbeiner. „Ich wollte immer gern draußen sein“, erklärt er. Die Freilandhaltung ist also nicht nur für die Tiere optimal – und die Region, in der Buchner und seine Schweine zu Hause sind, bietet jede Menge Möglichkeiten draußen aktiv zu sein. So ist der Steigerwald bekannt als Rad- und Wanderregion, etwa mit dem Steigerwald-Panoramaweg zwischen Bad Windsheim und Bamberg, doch auch eine Tour zwischen den südlichsten Weinbergen Frankens bietet sich an. Und für Kulturbegeisterte lohnt ein Besuch in der UNESCO-Welterbestadt Bamberg oder im Fränkischen Freilandmuseum in der Kurstadt Bad Windsheim.

Die Schweine auf dem Laimbachhof interessiert das wohl eher wenig. Ihnen stehen rund 200 Quadratmeter Fläche zur Verfügung – pro Tier. Die Weiden werden abwechselnd genutzt, denn die wühlenden Schweine graben den Boden mit der Zeit regelrecht um. Gedüngt wird er dabei auch gleich, sodass Buchner Getreide ansäen kann, wenn die Schweine weg sind. Die Ernte wandert dann wiederum ins Schweinefutter. „Schweine sind von Natur aus Allesfresser“, erläutert der Landwirtschaftsmeister. Deshalb gibt es täglich eine Portion Futter aus Getreide, Schrot, Eiweiß und Mineralien. Die Zutaten sind zu 100 Prozent gentechnikfrei und stammen zum größten Teil direkt vom Laimbachhof. Buchner weiß genau, wie die Tiere ihr Futter mögen: „Am liebsten vermischen sie es mit etwas Wasser zu einer Art Porridge.“ Klingt irgendwie britisch? Kein Wunder, denn die „Schwarzerle“ gehören zu der alten Rasse „Deutsches Cornwallschwein“. Diese entstand im 19. Jahrhundert in England und starb in Deutschland in den 1960er Jahren aus. Johannes Buchner lernte die schwarzen Schweine bei einem Praktikum in Schottland kennen. „Es ist eine gemütliche, gutmütige Rasse. Da habe ich mir gedacht, das passt perfekt zum fränkischen Gemüt“, erklärt der Schweinezüchter mit einem Schmunzeln.

2008 trafen vier schwarze Schweinedamen aus Schottland im Steigerwald ein. Inzwischen gibt es auf dem Laimbachhof sieben Zuchtsauen, einen Eber und rund 60 Mastschweine. Letztere leben ab einem Alter von etwa sieben Wochen gemeinsam auf der Weide. Dort haben sie viel Bewegung und auch Zeit, ordentlich Fett anzusetzen. So bekommt das Fleisch sein besonderes, nussiges Aroma und eine schöne Marmorierung. Küchenchefs aus der gehobenen Gastronomie haben die „Steigerwälder Schwarzerle“ inzwischen für sich entdeckt. Und auch das klassische fränkische Schäufele wird mit ihrem Fleisch besonders knusprig und saftig. Somit ergänzen die Tiere vom Laimbachhof perfekt die Kulinarik des Steigerwaldes, der unter anderem auch mit Erzeugnissen aus der traditionellen Teichwirtschaft und unzähligen kleinen Brauereien überzeugt.

„Meine Tiere sind gemütlich und gutmütig, das passt perfekt zum fränkischen Gemüt.“

Johannes Buchner

Zu kaufen gibt es die Spezialitäten jeden Freitag sowie auf Anfrage im Hofladen. Noch wichtiger ist der Lieferservice: Das gesamte Schwarzerle-Sortiment sowie Käse, Brot, Biohähnchen, Weine und weitere Produkte anderer Höfe aus dem Umkreis kommen so direkt zum Kunden. „Manche Städter beziehen ihren ganzen Wocheneinkauf über uns“, weiß Buchner. Dank sorgfältiger Planung stimmt auch die Ökobilanz: Rund drei Kilometer legt das Auto pro Kunde zurück. Jetzt möchte Johannes Buchner weitere kleine Höfe ermutigen, nach seinem Konzept regionale Produkte in die Städte zu liefern. An Ideen mangelt es ihm also nicht – und auch die nächste Generation steht schon in den Startlöchern: Seine sechsjährige Tochter hat ein ganz konkretes Berufsziel: „Chefin auf dem Laimbachhof“.

Wer nun Lust auf einen Ausflug in den Steigerwald bekommen hat, um die „Schwarzerle“ auf dem Laimbachhof zu besuchen und sich im Hofladen mit regionalen Produkten einzudecken, der findet nähere Informationen unter www.leimbachhof.de. Oberlaimbach ist durch die Anbindung an das regionale Busliniennetz gut mit dem ÖPNV zu erreichen.

Barbara Keil

Verfasst von Barbara Keil
am 24. Juni 2022 unter Genießerland Franken, Hausbesuche Franken, Nachhaltiges Franken mit den Schlagwörtern Direktvermarkter, Genuss, Landwirtschaft, Steigerwald.

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