Ein kulinarisches Zugpferd in der Rhön

Der Landgasthof „Zum Weißen Rössl“ im Burkardrother Ortsteil Stralsbach hat eine lange Geschichte: Im 17. Jahrhundert noch Kutschenstation, wandelte er sich von einer Dorfwirtschaft in der Rhön zu einem vielbeachteten Restaurant. Hier zaubert Juniorchef Michael Hergenröder kulinarischen Hochgenuss auf den Tisch.

Mein Name ist Klaus Dorsch. Aufgewachsen in Wassertrüdingen am Fuße des Hesselbergs bin ich es gewohnt, Anerkennung und Lobeshymnen nur sehr dosiert einzusetzen: typisch fränkisch eben. Wenn ich also als reiselustiger Redakteur in Franken unterwegs bin – übrigens am liebsten mit dem (Renn-)Rad –, originelle Fränkinnen und Franken treffe, Natur und Kultur von neuen Seiten entdecke, die fränkische Küche, vor Ort gebrautes Bier und heimischen Silvaner genieße, heißt mein Resümee: „Reiseland Franken, Du bassd scho.” Das ist nämlich für einen echten Franken das größte Lob, das er geben kann.

Mit den Hausbesuchen begleiten wir Einheimische bei ihrem täglichen Wirken im Urlaubsland Franken. Im Landgasthof „Zum Weißen Rössl“ treffe ich Chefkoch Michael Hergenröder und seine Familie, die ihre Gäste in die Kulinarik der Rhön „entführen“.

Aller Anfang ist schwer, gerade bei einer langen Tradition. Diese Erfahrung hat auch Michael Hergenröder gemacht, als er dem Landgasthaus „Zum Weißen Rössl“ eine andere Ausrichtung gab: „Wir haben erst mal zahlreiche Stammgäste verloren“, berichtet er, „aber inzwischen eine neue Fangemeinde gewonnen“. Und diese wächst kontinuierlich weiter.

Früher pilgerten die Gäste am Mittwoch zum „Schnitzeltag“ ins „Weiße Rössl“, heute serviert der junge Chef stattdessen kreative Gerichte, die er ideenreich und überwiegend mit Produkten aus seiner Heimat zubereitet. „Ich will meine Gäste die Rhön schmecken lassen“, erklärt Michael Hergenröder sein Konzept.

Missionarischer Eifer liegt ihm dabei fern, den eingeschlagenen Weg geht er aber konsequent. 1997 haben seine Eltern Arnita und Thomas Hergenröder das Haus in dritter Generation über nommen, 2014 kehrte Michael nach seiner Lehre als Koch und ersten Berufsjahren nach Hause zurück. Im Gepäck hatte er innovative Ansätze und den Ehrgeiz, das „Rössl“ neu zu erfinden. Für Vater Thomas, bis dato verantwortlicher Koch, keine leichte Zeit, doch er verschloss sich dem neuen Weg nicht. Zunächst teilten sich die beiden die Speisekarte: eine Seite für Thomas, die andere für Michael. Doch das bewährte sich nicht. Vater Thomas entschied sich, zu seinen gastronomischen Wurzeln zurückzukehren: Mit Tochter Verena betreibt er mittlerweile „Die Böll“, eine Dorfwirtschaft im nahen Geroda.

©Landgasthof Zum Weißen Rössl / Foto Fay

Mutter Arnita ist im „Rössl“ geblieben. Sie hilft ihrem Sohn in der Küche und ist die „gute Seele“ im Service. „Natürlich war es auch für mich eine Umstellung, aber es funktioniert“, so Arnita mit einem Lächeln, „nur manchmal muss ich Michael in seinem Drang schon etwas bremsen.“ Der junge Koch hat sich mittlerweile einen Namen in der Region gemacht und verwöhnt zum Beispiel mit einem 36 Stunden lang gegarten Schweinebauch, mit „Dry Aged Filet“ aus bestem Rhöner Rind oder Salaten mit saisonalen Zutaten und überraschenden Extras. Seine Menüs präsentiert er auf der Speisekarte ganz minimalistisch: Das steht im Gegensatz zur feinen Zubereitung, die optisch und auch geschmacklich ein Sinnenfeuerwerk auslöst. Nicht entgehen lassen sollten sich Feinschmecker die kulinarischen Abende, zu denen Michael Hergenröder einlädt. An diesen leisten ihm namhafte fränkische Winzer Gesellschaft, um mit ihren auf die Speisen abgestimmten Weinen das Menü zum Erlebnis zu machen.

Überhaupt deckt die Rhön im „Rössl“ oft den Tisch: mit Forelle, Lachsforelle, Saibling und Zander aus nachhaltiger Fischzucht, Obst und Gemüse, Essig und Öl sowie Bier und Wein aus Franken. Die hochgeistigen Brände stammen von Vater Thomas selbst, der sie in der eigenen Brennerei aus Rhöner Obst erzeugt.

Somit haben Gäste die Möglichkeit, das Mittelgebirge gleich mit mehreren Sinnen zu erkunden, denn neben dem guten Geschmack der Urlaubsregion hat die Rhön noch viel zu bieten. Sie ist bekannt als eines der schönsten Urlaubsziele für Aktivurlauber in Deutschland und überzeugt durch ein umfassendes Rad- und Wanderwegenetz. Auch Mountainbiker finden in der Rhön ein kleines Paradies vor. Und wer dann doch eher die Entspannung sucht, hat die Möglichkeit in den Rhönbädern Kissingen, Bocklet, Brückenau und Neustadt an der Saale Körper und Geist etwas Gutes zu tun. Daneben runden mittelalterliches Fachwerk und reiche Kultur in malerischen Orten und Städtchen das Angebot für einen einmaligen Urlaub ab.

„Ich will meine Gäste die Rhön schmecken lassen.“

Michael Hergenröder

Vor diesem Hintergrund leben und lieben die Hergenröders die Rhöner Gastlichkeit, dazu sind sie durch die Geschichte ihres Hauses sozusagen verpflichtet. Seit 1615 ist es hier erlaubt, Gäste zu bewirten und zu beherbergen: zunächst als Kutschenstation auf dem Weg von Bad Kissingen nach Bad Brückenau. Direkt vor der Haustür hatten die Reisenden mit einer starken Steigung zu kämpfen. Damit die Kutscher den Berg bezwingen konnten, gab es Unterstützung von den hauseigenen Stationspferden. Aus den Zeiten der Pferdehaltung stammt wahrscheinlich auch der Hausname „Zum Weißen Rössl“. Kutscher kommen heute nicht mehr ins Haus, „dafür schätzen Wanderer und Pilger es, bei uns einzukehren und zu übernachten“, erklärt Arnita, „wir liegen ja direkt am beliebten Wanderweg „Hochrhöner“ und in der Nähe des Klosters Kreuzberg.“

Sich nach einem erlebnisreichen Tag in schönster Mittelgebirgslandschaft die Rhön schmecken lassen und von Michael Hergenröder kulinarisch verwöhnt werden – wer darauf jetzt Lust bekommen hat, findet nähere Informationen unter www.weisses-roessl-rhoen.de. Der Landgasthof ist auch über das Busnetz des Landkreis Bad Kissingen gut erreichbar.

Klaus Dorsch

Verfasst von Klaus Dorsch
am 7. Januar 2022 unter Genießerland Franken, Hausbesuche Franken, Nachhaltiges Franken mit den Schlagwörtern Gastronomie, Genuss, Kulinarik, Rhön.

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