Die „goldene“ Stadt in der Städteregion Nürnberg – Schwabach und das Blattgold

Wer nach Schwabach, unser schönes Städtchen in der Städteregion Nürnberg kommt, merkt schnell, dass Gold hier eine große Rolle spielt. Das Rathaus mit den goldenen Turmdächern, das große goldene Ei unweit vom Marktplatz und die Goldschlägerschauwerkstatt im Stadtmuseum. Ja, bei uns in Schwabach goldet es wirklich sehr, denn hier wird schon seit vielen hundert Jahren Blattgold hergestellt!

Hallo, mein Name ist Lara Haferung und ich bin in der 6. Generation im Familienunternehmen meines Vaters bei Noris Blattgold in Schwabach tätig. Die Kunst des Blattgoldschlagens hat mich von Kindesbeinen an sehr begeistert. Deshalb stand für mich früh fest, dass mein Herz für Blattgold schlägt und ich in diesem Bereich arbeiten möchte. Mittlerweile bin ich ausgelernte Vergoldergesellin und werde in diesem Jahr noch die Meisterschule besuchen.

Schwabach als Teil des starken Quartetts der Städteregion Nürnberg

Wer nach Franken reist, stößt schnell auf das Vierergespann, denn die Städteregion Nürnberg ist mit ihren vier Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach ein beliebtes Reiseziel. Der urbane Raum bietet außer den unterschiedlichen Stadt-Charakteren, die eine Fülle an Kultur, Kunst und Kulinarik vereinen, wunderbare Möglichkeiten stadtnah zu radeln, zu wandern, zu flanieren oder zu entspannen. Dabei spielt neben der großen Schwester Nürnberg, der charmanten Stadt Fürth und der Universitätsstadt Erlangen auch die Markgrafenstadt Schwabach als einstiges Zentrum der Blattgoldherstellung in Deutschland historisch eine große Rolle.

Dank Kessellage zur „Goldschlägerstadt“ Schwabach

Schon immer hat Gold die Menschen fasziniert. Die Herstellung von echtem Blattgold weist eine überraschend reiche Vergangenheit auf. Die ältesten Überlieferungen stammen aus Indien. Von dort gelangte die Kunst über die Kulturvölker Südostasiens in die westliche Welt. Im alten Rom gab es sogar schon besondere Innungen der Goldschläger. In der Theophiliushandschrift aus dem 12. Jahrhundert sind die Grundlagen der Herstellung beschrieben, die bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts galten.

Um 1400 traten in Deutschland Goldschläger als selbständige Handwerker auf. Später entstanden Goldschlägereien in Wien, Paris, London, Birmingham und auch in Nordamerika. Doch das ausländische Blattgold konnte sich nicht durchsetzen. Mit der Zeit konzentrierte sich die Blattgoldherstellung auf die Städte Nürnberg, Fürth und Schwabach. Doch da für die Herstellung von Blattgold ein relativ trockenes Klima benötigt wird, hat sich Schwabach mit seiner Kessellage und seinem sandigen Untergrund als besonders geeignet für die Goldproduktion erwiesen. So wurde die Stadt zur »Goldschlägerstadt«, die es mit ihrem Blattgold zu Weltruhm gebracht hat.

© Stadt Schwabach, Manuel Mauer

Auch der Buckingham Palace erstrahlt mit Schwabacher Blattgold

In der Blütezeit im 19. Jahrhundert arbeiteten in Schwabach 70 Prozent der Einwohner im Goldhandwerk. Heute gibt es hier noch zwei Betriebe und noch immer wird das Schwabacher Blattgold in alle Welt exportiert. Prominente Beispiele sind etwa der Buckingham Palace, der Invalidendom in Paris, die Siegessäule in Berlin oder einige Palastkuppeln in den arabischen Emiraten, die sich mit dem Blattgold aus Schwabach schmücken.

„Ich bin wirklich stolz auf die Goldschläger-Tradition meiner Familie.“

Lara Haferung

Mich selbst macht es unwahrscheinlich glücklich, diese jahrhundertealte Tradition in meiner Familie weiterführen zu dürfen. Wenn ich die Bilder meiner Ururgroßmutter sehe, wie sie in der alten Goldschlägerei stand, bin ich sehr stolz. In der Firma höre ich den ganzen Tag die Hämmer vom Goldschlagen und mein Vater sagt dazu immer, dass dies der „Herzschlag“ unseres Betriebes ist.

Die Zukunft der Goldschlägerzunft

Heutzutage reicht es natürlich nicht mehr aus, sich nur auf das Handwerk und die Restaurierung zu konzentrieren. Daher produzieren wir mittlerweile auch essbares Blattgold und vertreiben dieses über unsere Firma „Goldmarie“. Ich darf hierfür das Werbegesicht sein, was mir immer wieder sehr viel Freude bereitet! Als wir die Marke gelauncht haben, stand ich daher als Model vor der Kamera. Auf unserer Instagramseite @goldmarie.gourmet und unserem YouTube-Kanal Goldmarie erkläre ich regelmäßig, wie man mit Blattgold Getränke oder Süßigkeiten zum absoluten Hingucker macht. Außerdem gibt es kurze Videos, in denen ich zeige, wie man ganz einfach Erdbeeren, Kekse oder Lebkuchen vergoldet. Und wer tiefere Einblicke in die Ausbildung als Vergolderin bekommen möchte, kann auch gerne auf meinem Instagramaccount @gildersblog vorbeischauen.

Ein Spaziergang durch Schwabach

Natürlich lohnt sich auch ein näherer Blick auf die Goldschlägerstadt. Das Zentrum Schwabachs ist ein guter Ausgangspunkt für einen kleinen Stadtspaziergang. Am Königsplatz, dem Marktplatz der Stadt, befinden sich gleich mehrere Sehenswürdigkeiten. Zum einen steht dort das Rathaus, das 1528 erbaut wurde und mit seinen zwei goldenen Rathaustürmen prägend für das Stadtbild ist. Die Schwabacher sind eng mit ihrer Stadt verbunden und so konnte 2001 durch eine Spendenaktion von Bürgern und Freunden der Stadt das Projekt „Blattvergoldete Ziegel“ realisiert werden. Seitdem sind die goldenen Türme das Wahrzeichen der Stadt. Doch auch im Inneren ist das Rathaus mit seinem „Goldenen Saal“, der 1974 mit 14.000 Blatt Blattgold restauriert wurde, einen Besuch wert. Im ersten Stock befindet sich zudem eine Ausstellung mit wechselnden Kunstwerken aus der Kunstbiennale „ortung – im Zeichen des Goldes“, die seit 1999 alle zwei Jahre im Sommer stattfindet.

Direkt neben dem Rathaus befindet sich die evangelische Stadtkirche. Sie ist St. Johannes und St. Martin gewidmet und mit ihrem 71,5 Meter hohen seitlichen Kirchturm, der hinter dem Rathaus hervorragt, ein beliebtes Motiv in Schwabach. Ihr 16 Meter hoher Hochaltar mit seinen Hauptfiguren, die vermutlich von dem berühmten Holzbildhauer Veit Stoß sind, ist der größte Altar im süddeutschen Raum. Es handelt sich hierbei übrigens um einen Wandelaltar, der eine Werktags-, eine Festtags- und eine Passionsseite besitzt.

Verweilen am Schönen Brunnen am Königsplatz

Mittig auf einem der schönsten Marktplätze Frankens liegt der „Schöne Brunnen“, der eine beliebte Anlaufstelle für Jung und Alt ist. Im Sommer vergeht kein Tag, an dem hier nicht unzählige Kinder um den Brunnen rennen, während die Erwachsenen sich auf den Stufen des Brunnens ein Eis schmecken lassen. Die Reliefs, die den Brunnen schmücken, sind selbstverständlich mit Schwabacher Blattgold veredelt und zeigen den Auftraggeber Markgraf Wilhelm Friedrich und seine Familie. Im Winter erhält der Schöne Brunnen jedes Jahr ein gläsernes Gewand. Seit 2008 werden die großen Glasplatten für die kalte Jahreszeit wie ein Kegel um den 300 Jahre alten Brunnen gelegt, um ihn zu schützen. Durch die transparente Konstruktion können Besucher das Wahrzeichen des Marktplatzes aber auch in den Wintermonaten betrachten.

Eine Stadt ganz im Zeichen des Goldes

© Stadt Schwabach, C. Schön

Und auch abseits des Marktplatzes gibt es in Schwabach viel zu entdecken. Eine beliebte Anlaufstelle ist zum Beispiel die Schauwerkstatt in der Höllgasse. Hier wurde eine echte historische Goldschlägerwerkstatt aufgebaut, in der man die Arbeitsschritte des Goldschlagens in früheren Zeiten nachempfinden kann. Schräg gegenüber befindet sich einer der vielen vergoldeten „Schätze“, die überall in der Stadt verteilt sind. Da hätten wir zum einen das riesige goldene Ei, das eine Hommage an die einzigartige Sammlung an naturkundlichen verzierten Eiern im Schwabacher Stadtmuseum ist. Oder den goldenen Findling, einen mit Blattgold verzierten Felsbrocken, der von Schwabachern und Gästen selbst vergoldet wurde. Und sogar einen goldenen Heiligenschein bekommt man bei uns verpasst. Für die Kunstbiennale „ortung – im Zeichen des Goldes “ wurden nämlich an fünf ausgesuchten Wänden im Stadtgebiet goldene Scheiben angebracht. Ein von Touristen und Einheimischen immer wieder gern verwendetes Fotomotiv!

Genießen und Abschalten

Bei so viel Golderkundung wird jeder hungrig. Und natürlich kommt man in Schwabach auch kulinarisch auf seine Kosten. Rund um den Marktplatz gibt es viele tolle Restaurants, die mit schönstem Blick auf den Königsplatz, das Rathaus und die Stadtkirche punkten können. Ein paar Schritte weiter kann man in den charmanten Gässchen der Altstadt zusätzlich noch einen Kaffee in Schwabachs Kaffeerösterei genießen, ein Stückchen Kuchen direkt am Flüsschen Schwabach essen, oder ein paar Mitbringsel in den vielen kleinen Geschäften einkaufen. Wer es lieber etwas ruhiger mag, kann im Apothekersgarten oder im großen Stadtpark auf einer der vielen Bänke oder den Holzliegen im Park auch einfach mal die Seele baumeln lassen.

Ist nun die Neugierde für das Thema Blattgold und unser schönes Städtchen geweckt? Dann kommen Sie uns doch mal in Schwabach besuchen und überzeugen Sie sich selbst von unserer Stadt und ihrem Blattgold! Hier findet sich alles Wissenswerte zur Stadt Schwabach, nähere Inforamtionen zum „goldenen“ Handwerk erhalten Sie unter www.noris-blattgold.de. Mit dem Regionalexpress und der S-Bahn ist Schwabach innerhalb weniger Minuten vom Nürnberger Hauptbahnhof aus erreichbar.

Lara Haferung

Verfasst von Lara Haferung
am 8. Oktober 2021 unter Urlaubsland Franken mit den Schlagwörtern Blattgold, Handwerk, Schwabach, Städteregion Nürnberg, Tradition.

Beteilige dich an der Unterhaltung

    Hallo liebe Lara
    Ich bin richtig begeistert von deiner tollen Beschreibung unserer Goldstadt.
    Weiter so.
    Liebe Grüße
    Rudi Nobis

      Avatar
      Tourismusverband Franken e.V.3. November 2021 um 8:28 Uhr

      Hallo Herr Nobis,

      danke für Ihr positives Feedback!
      Schwabach und die gesamte Städteregion Nürnberg haben doch wirklich so Einiges zu bieten….

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Team des Tourismusverband Franken

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