Fränkische Schweiz: Ein Elch mit Amore

Die Fränkische Schweiz ist berühmt für ihre Vielzahl an Brauereien. Bei der „Elch Bräu“ im Gräfenberger Ortsteil Thuisbrunn kommen aber nicht nur Pils, Weizen und Kellerbier in die Fässer. Braumeister und Brenner Georg Kugler hat auch ein Faible für Single Malt Whisky.

Mein Name ist Barbara Keil, ich bin an der Grenze zum Reiseland Franken aufgewachsen und habe schon als Kind gern meine fränkischen Verwandten besucht. Doch erst als ich vor einigen Jahren anfing, als Redakteurin beruflich nach Franken zu reisen, ist mir klar geworden, wie unglaublich vielfältig die Region ist. Jeder Ausflug bietet neue überraschende Entdeckungen und spannende Begegnungen mit den Menschen vor Ort!

Mit den Hausbesuchen begleiten wir Einheimische bei ihrem täglichen Wirken im Urlaubsland Franken. Heute stellt uns Georg Kugler seine „Elch-Bräu“ und den ausgezeichneten fränkischen Whisky vor.

Die Tafel vor dem stattlichen Gebäude mit den weiß roten Fensterläden verkündet einen Ruhetag, doch von Ruhe ist auf dem Hof des Gasthofs Seitz nicht viel zu spüren. Georg Kugler und die Mitarbeitenden der „Elch Bräu“ haben alle Hände voll zu tun. Gerade kommt die Malzlieferung an, auf die sie schon gewartet haben. Aus dem Sudhaus, wo der Nachschub für den Bierkeller gärt, tönt ein Schlager herüber. „Die Hefe braucht ein wenig Musik, da arbeitet sie besser“, erklärt der Brauereichef mit einem Augenzwinkern.

Georg Kugler braut nicht nur für den eigenen Ausschank, aber viele Seidla gehen direkt vor Ort über den Tresen – im Gasthof Seitz und im Sommer vor allem im idyllischen Biergarten neben dem Haus, wo die Gäste es sich an urigen Holztischen im Schatten der Bäume gemütlich machen. Ausgeschenkt wird hier aus einem originalen, 300 Jahre alten Bierkeller. Zu der Gaststätte gehörte nämlich damals schon eine Brauerei. Nachdem Georg Kugler zusammen mit seiner Frau Bianca den Gasthof von seinem Onkel übernommen hatte, knüpfte er 2007 mit der Gründung der „Elch Bräu“ an diese Tradition an. Mit dem Haus bekam der Braumeister auch dessen Markenzeichen, den Elchkopf, der noch heute einen Ehrenplatz in der Gaststube hat. „Mein Onkel hat den Elch 1986 in Kanada geschossen“, erzählt er: „Dann haben die Leute immer gesagt, sie gehen zum Elch.“ Da der Geweihträger den Gästen so gut im Gedächtnis blieb, durfte die Jagdtrophäe auch gleich für die Biere Pate stehen.

© FrankenTourismus / Barbara Keil

Das Wagnis, in der Region mit der laut „Guinness Buch der Rekorde“ größten Brauereidichte der Welt eine weitere Braustätte zu gründen, zahlte sich aus. Die „Elch Bräu“ hat ihre Kapazitäten inzwischen mehrfach vergrößert. Trotz mittlerweile 25 Angestellten ist vieles jedoch immer noch Familiensache. Georg Kuglers Frau Bianca macht die Buchhaltung, der älteste Sohn hilft auch schon fleißig und der Chef selbst packt überall mit an. Und obwohl es mit Gasthof und Brauerei eigentlich schon genug zu tun gab, erweiterte Georg Kugler das Angebot 2012 noch um eine Brennerei. Besonders der Whisky ist seine Leidenschaft. Die Kopie eines schottischen Single Malts reizte ihn aber nicht, die edlen Tropfen müssen schon eine eigene, fränkische Note haben. „Wir machen den einzigen Whisky, der mit deutschem Torf produziert wird“, betont er. Auch die Brennanlage ist eine Spezialanfertigung. Neben dem bereits mehrfach prämierten „Torf vom Dorf“ und dem „Torfduett“ bietet die Brennerei wechselnde Einzelfassabfüllungen. Rund 150 Fässer mit dem Elchlogo reihen sich derzeit im Whiskylager aneinander.

„Die kleinen Brauereien in der Fränkischen Schweiz stehen für intensiven Geschmack und hausgemachte Speisen.“

Georg Kugler

Das Torfmalz für den Whisky muss Kugler aus dem Ausland beziehen, da keine heimische Mälzerei es herstellt. Davon abgesehen setzt der Brauer und Brenner aber ganz auf Regionalität. Er verwendet Hersbrucker und Spalter Hopfen sowie Malz aus Franken. Dem Aroma zuliebe sind Dunkles, Pils und Weizen außerdem naturbelassen. „Wir kleinen Brauereien in der Fränkischen Schweiz stehen für guten, intensiven Geschmack“, stellt er klar und verweist auch gleich auf das hervorragende Gastronomieangebot seiner Heimat: „Jede kleine Brauerei hat hier einen Gasthof oder Bierkeller dabei, wo es hausgemachte Speisen gibt.“

© FrankenTourismus / Barbara Keil

Appetit holen sich die Genießer:innen in der Fränkischen Schweiz gern beim Wandern, Radfahren oder Klettern – Gelegenheit dazu bietet sich genug zwischen den steil aufragenden Felsen und den romantischen Burgruinen. Zusammen mit vier Kollegen bietet auch Georg Kugler die ideale Route für Bierliebhaber:innen: Der „Fünf Seidla Steig“ führt als Brauereiwanderweg vom Bahnhof Weisenohe aus zu fünf bierigen Einkehrmöglichkeiten. Entlang des Wegs geben Infotafeln immer wieder Einblicke in den Brauereialltag und die Bierkultur. Bei den Kuglers klingt die Wanderung dann zum Beispiel mit einem „Nix Amore“ aus. Den ungewöhnlichen Namen seines süffigen Kellerbiers erklärt Georg Kugler mit trockenem Humor: „Das Bier ist so gut, da trinkt man gern mal ein oder zwei mehr, und wenn man dann zum Partner heimkommt, dann ist ‘Nix amore’ angesagt.“ Doch das nimmt man gerne in Kauf – dafür steckt ja schon der Braumeister jede Menge Liebe in seine Biere und Spirituosen mit dem Elch.

Liebliche Flusstäler, muntere Bachläufe, die einmalige Felsenlandschaft und jede Menge Braukultur – die Fränkische Schweiz hat Allerhand zu bieten. Wer nun obendrein auch noch Lust auf einen fränkischen Whisky bekommen hat, der findet weitere Informationen unter www.gasthof-seitz.de oder www.kauf-deinen-elch.de. Durch die Busse und Bahnlinien des VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) ist die Fränkische Schweiz in das weitläufige ÖPNV-Netz Frankens integriert – etwa durch die Gräfenbergbahn mit Halt unweit von Thuisbrunn. Bei Freizeitaktivitäten in der fränkischen Naturlandschaft sei hier abschließend auch auf umsichtiges Verhalten im Umgang mit Mensch und Natur hingewiesen.

Barbara Keil

Verfasst von Barbara Keil
am 26. August 2022 unter Allgemein, Bierland Franken, Genießerland Franken, Hausbesuche Franken mit den Schlagwörtern Bier, Bierwanderung, Brauerei, Brennerei, Fränkische Schweiz.

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