Zu Besuch bei der Brunnenfrau in Bad Kissingen

In und um Bad Kissingen in der Rhön sprudeln sieben mineralstoffreiche Heilquellen, denen die Stadt ihren Ruf als Weltbad zu verdanken hat. Dass Heilwasser gut für den Körper ist, wissen viele. Doch welche Unterschiede es zwischen den Quellen gibt und welches Wasser welche Wirkungsweise im Körper entfaltet, das ist nicht jedem klar. Genau dafür bin ich zuständig, ich entführe die Besucher unserer Stadt in die Welt des Bad Kissinger Heilwassers und berate sie zu Anwendung und Wirkweise.

Mein Name ist Lisa Lausenmeyer, ich bin 30 Jahre alt und eine der Brunnenfrauen in Bad Kissingen. Schon nach meiner Schulzeit hat es mich hierhin verschlagen und bis heute fühle ich mich im schönen Bad Kissingen wohl und zu Hause.

Ein Beruf der ganz besonderen Art

„Na, was machen Sie beruflich?“ Eine ganz gewöhnliche Frage, auf die viele Menschen mit ganz gewöhnlichen Berufen antworten, wie etwa „Bäcker“, „Metzger“ oder „Lehrer“. Wenn mir allerdings jemand diese Frage stellt, lautet meine Antwort: „Ich bin eine Brunnenfrau“. Was das ist und wie mein Alltag als Brunnenfrau aussieht, das erkläre ich Ihnen jetzt.

Eine Brunnenfrau ist wie ein Sommelier für Heilwasser

Sieben Uhr morgens, die ersten Gäste trudeln langsam ein, das Sprudeln des Rakoczy-Brunnens erfüllt die Brunnenhalle. Umgeben von goldenen Wasserhähnen und jeder Menge Gläser beginnt mein Arbeitstag. Denn als Brunnenfrau schenke ich tagtäglich Heilwasser aus und berate Gäste, welches Heilwasser am besten zu ihnen passt.
Aber wie wird man eigentlich Brunnenfrau? Seit 2017 arbeite ich in der Tourist-Information in Bad Kissingen. Als ich die Möglichkeit bekam, in die Welt der Brunnenfrauen zu schnuppern, habe ich schnell festgestellt, wie viel Spaß mir die Arbeit am Brunnen bereitet. Das Wissen über die Heilwässer und ihre unterschiedlichen Wirkungsweisen wird traditionell von Generation zu Generation weitergegeben. Eine erfahrene Brunnenfrau lehrte mich also, welches Wasser für welche Beschwerden angewendet wird, wie die Wässer zusammengesetzt sind und natürlich, wie ich die Heilwässer richtig zubereite und ausschenke.
Den Beruf „Brunnenfrau“ gibt es übrigens schon Jahrhunderte lang. Wobei früher hauptsächlich „Brunnenmänner“ für den Ausschank des Heilwassers zuständig waren. Diese mussten bis zur Quelle hinabsteigen, das Wasser eigenhändig abschöpfen und es dann wieder nach oben, zu den Gästen befördern.

Heilwasser, was ist das überhaupt?

„Heilwässer wirken ganz unterschiedlich.“

Lisa Lausenmeyer

Heilwasser ist Wasser, das besonders rein und reich an Mineralien und Spurenelementen ist. Da sämtliche Inhaltstoffe bereits im Wasser gelöst sind, können diese besonders schnell und effektiv vom Körper aufgenommen werden, zum Beispiel in Form einer Trinkkur, einer Inhalation oder eines Bads. Als wertvoller Mineralstofflieferant unterstützt Heilwasser auf wirkungsvolle Weise unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.
Um das nachzuweisen, unterliegen Heilwässer in Deutschland nicht nur strengen Richtlinien und Kontrollen, sondern benötigen auch eine Arzneimittelzulassung. Regelmäßig wird das Wasser auf seine therapeutische Wirksamkeit untersucht.
Heilwasser kann bei unterschiedlichen Symptomen zur Vorbeugung, Linderung oder Heilung eingesetzt werden. In Bad Kissingen gibt es sieben Heilquellen:

  • Rakoczy-Brunnen: Dieses Wasser wird vor allem bei chronischen Störungen der Magensekretion, Entzündungen der Magen- und Darmschleimhaut, bei Erkrankungen der Gallenblase und der Gallenwege sowie bei Gallensteinen oder bei chronischen Lebererkrankungen, Darmträgheit und Gicht eingesetzt.
  • Kissinger Bitterwasser: Es hilft bei Verdauungsstörungen, insbesondere bei Darmträgheit und Verstopfung. Das Kissinger Bitterwasser ist kein eigener Brunnen, sondern wird auf Basis des Rakoczy-Wassers unter Zusatz von Magnesium- und Natriumsulfat hergestellt.
  • Pandur-Brunnen: Die Anwendungsgebiete sind ähnlich wie die des Rakozcy-Brunnens. Zudem unterstützt der Pandur-Brunnen die Regulation der Säureproduktion des Magens. Früher wurde dieses Wasser auch der „scharfe“ oder Badbrunnen genannt.
  • Max-Brunnen: Auch als Sauer-Brunnen bezeichnet, ist er der älteste der sieben Heilbrunnen von Bad Kissingen. Eingesetzt wird der „Max“ bei Katarrhen der oberen Luftwege, bei chronischen Nieren- und Harnwegsinfekten, zur Nierensteinprophylaxe, zur Regulation chronischer Störungen der Magensekretion und bei funktionellen Störungen von Magen und Darm.
  • Luitpoldsprudel „alt“: Sein Name würdigt den Prinzregenten Luitpold von Bayern. Unterstützend wirkt die Quelle bei chronischen Störungen der Magensekretion, insbesondere bei Übersäuerung des Magens, bei Blutarmut und zur Nachbehandlung nach Magen-Darm-Operationen, bei Erschöpfungszuständen, Eisenmangel-Anämie oder zur Rekonvaleszenz.
  • Luitpoldsprudel „neu“: Mitte der 1980er Jahre entsprachen die Quellenanlagen des alten Luitpoldsprudels nicht mehr den technischen und hygienischen Anforderungen der Zeit. Im Zuge der Neuerschließung stieß man auf den „neuen“ Luitpoldsprudel. Dieses Wasser wird vor allem bei Herz-Kreislauf-Problemen und -Störungen angewendet.
  • Schönbornsprudel: Die Thermalquelle wurde 1764 im Stadtteil Hausen zur Salzgewinnung erschlossen, als Badequelle jedoch erst gut 100 Jahre später genutzt. Bei Bandscheibenproblemen, Rheuma, Gelenkerkrankungen und Verspannungen, zur Nachbehandlung von Verletzungen und nach Operationen am Bewegungsapparat, bei Herz-Kreislauf-Problemen und -Störungen oder bei Erkrankungen der Atemwege, des Nervensystems und der Haut schafft diese Quelle Linderung.

Rituale rund um das Heilwasser

Damit Heilwasser optimal wirken kann, gibt es unterschiedlichste Rituale und Zubereitungen des Wassers. So spielt schon die Uhrzeit, wann Heilwasser getrunken wird, eine Rolle. Denn morgens vor dem Frühstück kann der Körper die Mineralien und Spurenelemente besonders gut aufnehmen. Am Nachmittag, also vor dem Abendessen, trinkt man dann ein zweites Mal.
Neben den Ausschankzeiten hat das traditionelle Wandeln beim Trinken einen gesundheitsfördernden Effekt: Beim bewussten und langsamen Gehen und Trinken entspannen Körper und Geist. Den perfekten Ort zum Wandeln in Bad Kissingen bietet die eigens dafür erbaute Wandelhalle, aber auch der angrenzende Kurgarten.
Auch wie das Wasser zubereitet wird, ist von großer Bedeutung. So wird das Heilwasser je nach Bedarf mit oder ohne Kohlensäure, erwärmt oder auch kalt getrunken. Neben der Trinkkur kann Heilwasser auch als Bad angewendet werden. So fließt in der KissSalis Therme Bad Kissingen zum Beispiel der Schönbornsprudel. Einige Heilwässer kommen zudem auch in den Kneippbecken sowie bei der Inhalationsbehandlung am Gradierwerk zum Einsatz.

© Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH_Foto Ingo Peters

Tipps von der Brunnenfrau zu Trinkkuren

Zu den beliebtesten Heilwasser-Anwendungen gehört zweifelsohne die Trinkkur. Wichtig ist dabei, sich durch uns Brunnenfrauen oder einen medizinischen Spezialisten vorab gründlich beraten zu lassen, denn die Heilwässer wirken ganz unterschiedlich. Die öffentlichen Entnahmestellen sollte man erst nutzen, wenn man genau weiß, was einem gut tut. In sechs Tipps habe ich die wichtigsten Fakten zu einer Heilwasser-Trinkkur zusammengefasst:

  • Eine Trinkkur idealerweise über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen durchführen.
  • Eine Trinkkur kann zwei- bis dreimal im Jahr wiederholt werden. Bei Mineralstoffmangel kann Heilwasser auch täglich getrunken werden – bis zu 0,7 Liter.
  • Während einer Trinkkur am besten auf Nikotin und Alkohol verzichten.
  • Das Wasser zu festen Tageszeiten trinken, am besten morgens und abends etwa 20–30 Minuten vor den Mahlzeiten.
  • Es gibt unterschiedliche Wirkweisen, die beachtet werden sollten: Angewärmtes Wasser ist besonders magenfreundlich und hat eine entgiftende Wirkung, in anderen Fällen kann kaltes Wasser hilfreicher sein. Auch macht es einen Unterschied, ob man langsam oder schnell, in großen oder kleinen Schlucken trinkt.
  • Am besten nimmt man sich beim Trinken viel Zeit und genießt währenddessen das entspannte Wandeln durch die Halle.

Habe ich Ihre Neugierde zum Thema Heilwasser geweckt? Dann kommen Sie mich doch mal in Bad Kissingen besuchen und überzeugen Sie sich selbst von unserem vielfältigen Angebot an Heilwasser! Mit dem Zug erreichen Sie uns ganz einfach über Würzburg, Schweinfurt, Fulda oder Gemünden. Die ICE-Bahnhöfe Würzburg und Fulda können über das Streckennetz der Deutschen Bahn AG aus allen Richtungen Deutschlands erreicht werden.

Lisa Lausenmeyer

Verfasst von Lisa Lausenmeyer
am 19. Januar 2021 unter Gesundheitspark Franken mit den Schlagwörtern Bad Kissingen, Heilbad, Heilwasser, Kurort, Rhön.

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    Unterhaltsam und sehr schön geschrieben!

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