Verborgener Glanz: Ein Schatz und große Geschichte in Kulmbach
Ein dumpfer Schlag, dann ein erstaunter Ruf. Es ist ein Sommertag im August 1912, als Bauarbeiter in Kulmbach auf etwas stoßen, das dort seit Jahrhunderten im Verborgenen lag. Doch was genau hier zum Vorschein kommt, bleibt zunächst ein Rätsel…
Unsere Museumsschätze stellen besondere und oft einmalige Exponate aus den Museen der Fränkischen Städte vor – Sie erzählen Geschichten, die Geschichte lebendig werden lassen. In Kulmbach zeugt der wiederentdeckte Pörbitscher Schatz aus vergoldetem Silber von Krieg, Flucht und jahrhundertelangem Verborgensein und gehört heute zu den eindrucksvollsten Museumshöhepunkten der Stadt.
Erst nach einigen Augenblicken wird klar, worum es sich handelt: ein Sack, kaum 90 Zentimeter unter der Erde, gefüllt mit funkelnden Kostbarkeiten aus vergoldetem Silber. Pokale, Becher, Löffel und filigrane Gefäße – über 250 Jahre verborgen, aber nun wieder ans Licht gebracht. Was die Bauarbeiter in den Händen halten, ist mehr als nur altes Silber: Es ist ein Stück Geschichte, das von Krieg, Flucht und Verborgensein erzählt – ein Schatz, dessen Geschichte die Stadt Kulmbach bis heute fasziniert.

Ein Schatz erzählt vom Dreißigjährigen Krieg
Die Spur führt zurück ins Jahr 1634, mitten in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Kaiserliche Truppen stehen vor Kulmbach, Plünderung droht. In dieser Ausnahmesituation trifft der Patrizier Georg Gutterer eine folgenschwere Entscheidung: Er vergräbt das wertvolle Tafelsilber seiner Familie – heimlich, hastig, ohne jemandem den genauen Ort zu verraten.
Was als Schutz gedacht ist, wird zum Rätsel für Generationen. Denn Gutterer nimmt das Versteck mit ins Grab. Mehr als 250 Jahre bleibt der Schatz verschwunden, bevor ihn der Zufall bei Bauarbeiten im Ortsteil Pörbitsch wieder freigibt.
Als die Arbeiter den Sack öffnen, kommen kunstvoll gearbeitete Prunkstücke ans Licht: vergoldete Pokale, Becher, Löffel und filigrane Gefäße. Einige von ihnen werden kurzerhand mit Bier gefüllt – ein erster, ungewöhnlicher „Testlauf“ nach Jahrhunderten im Erdreich.

Heute zählt der sogenannte Pörbitscher Schatz zu den Höhepunkten im Landschaftsmuseum Obermain auf der Plassenburg. Besonders die reich verzierten Silberpokale ziehen die Blicke auf sich, denn geschmückt mit Früchten, Blumen und aufwendigen Aufsätzen erzählen sie von Reichtum, Handwerkskunst und einer Zeit, in der selbst Alltagsgegenstände Ausdruck von Status waren. Ein Becher in Form eines Glücksschiffes scheint dabei fast sinnbildlich für die Reise dieses Schatzes durch die Jahrhunderte.
Genuss trifft Geschichte
Auch abseits des Museumsschatzes hat Kulmbach einiges zu bieten: Im Kulmbacher Mönchshof vereinen sich gleich drei Museen unter einem Dach – das Bayerische Brauereimuseum, das Deutsche Gewürzmuseum und das Bayerische Bäckereimuseum. Gemeinsam erzählen sie eine genussvolle Zeitreise durch Braukunst, Gewürzhandel und Backtradition. Ein Höhepunkt ist die „Gläserne Museumsbrauerei“, in der die lange Biertradition der Stadt lebendig wird – inklusive Einblicken in den Brauprozess sowie einem Probierschluck fränkischer Spezialitäten.



Über der Stadt thront die Plassenburg, die mit Renaissance-Architektur, spannenden Museen und weiten Ausblicken beeindruckt. Ein Rundgang durch den „Schönen Hof“ und die historischen Markgrafenzimmer lässt die Geschichte der fränkischen Markgrafen lebendig werden. Kulinarisch gehört die Kulmbacher Bratwurst im „Stölla“ ebenso zu einem Besuch wie ein frisch gezapftes Bier.
Entspannt ankommen und weiter entdecken
Kulmbach ist bequem mit der Bahn erreichbar (Informationen zur Anreise). Vom Bahnhof aus ist es ein kurzer Spaziergang in die Altstadt und hinauf zur Plassenburg. Wer mehr Zeit mitbringt, kann die vielen Wander- und Radwege rund um die Stadt erkunden – durch stille Wälder des Frankenwalds, entlang des Mains oder hin zu kleineren Ortschaften und Aussichtspunkten. So wird der Besuch in Kulmbach zu einer abwechslungsreichen Entdeckungsreise, die Geschichte, Genuss und Natur auf wunderbare Weise verbindet – und Lust macht, noch ein Stück weiterzugehen.


