Naturpark Altmühltal

Mehr als 3.000 Quadratkilometer Gesamtfläche weisen den Naturpark Altmühltal als einen der größten Naturparke Deutschlands aus. Vielfalt und urtümliche Schönheit sind die Merkmale dieser Flussregion und ihrer reizvollen Seitentäler. Beiderseits der Autobahn Nürnberg - München entfaltet sich eine Urlaubslandschaft wie aus dem Bilderbuch: Wasser und blumenübersäte Wiesen, bizarre Dolomitfelsen und duftende Wacholderhänge, markante Formationen aus erdgeschichtlicher Frühzeit und geheimnisvolle Höhlen, Burgen, Schlösser und romantische Städtchen und Dörfer.

Die Altmühl, entlang des 160 km langen Tals, ist Bayerns langsamster Fluss. Auf seinem windungsreichen Weg zur Donau mäandert er an Treuchtlingen, Solnhofen und Dollnstein vorbei zur Bischofs- und Universitätsstadt Eichstätt und fließt über Kipfenberg, Kinding, Beilngries, Dietfurt und Riedenburg weiter bis nach Kelheim, wo er in die Donau mündet. Auf den letzten 34 Kilometern zwischen Dietfurt und Kelheim hat die Altmühl ihr Gesicht verändert. Hier vereinigt sie sich mit dem 1992 fertig gestellten Main-Donau-Kanal, der, von Nürnberg und dem Fränkischen Seenland kommend, durch Berching und Beilngries führt und ab Dietfurt schließlich gemeinsam mit der Altmühl der Donau zustrebt.

Auch nach der Fertigstellung der neuen Wasserstraße ist das Altmühltal eine weitgehend intakte Naturlandschaft geblieben. Die Kanalplaner haben am Unterlauf des einst mäandrierenden Flusses für ökologische Ausgleichsflächen gesorgt, in denen sich mittlerweile längst eine neue Flora und Fauna entwickeln konnte. Um die frühere Altmühl legen sich renaturierte Riedgras-, Schilf- und Flachwasserzonen. Gänzlich unverändert windet sich die obere und mittlere Altmühl vorbei an historischen Stätten durch uraltes Kulturland.

Verändert, allerdings zum Positiven, haben sich jedoch durch den Main-Donau-Kanal die touristischen Möglichkeiten der Region. Neu angelegte Yachthäfen in Berching und Beilngries, Ausflugsschiffe zwischen den Anlegestellen und nicht zuletzt luxuriöse Kabinendampfer großer Schifffahrtsunternehmen, auf denen man durch das Altmühltal bis nach Wien und Budapest gelangen kann, eröffnen völlig neue Perspektiven.

Dass dies alles so behutsam wie möglich geschieht, war natürlich oberstes Anliegen des Vereins "Naturpark Altmühltal", der 1999 sein 30-jähriges Bestehen feiern konnte. Seit dieser Zeit haben sich die Verantwortlichen des größten deutschen Naturparks darum bemüht, zwei eigentlich widersprüchliche Interessen zu vereinen. Zum einen die Erschließung der Landschaft für den Urlauber, zum anderen aber auch die Bewahrung der Natur. So ist das Altmühltal zu einer Geburtsstätte des "sanften" oder "umweltverträglichen" Tourismus geworden.

Bereits Ende der siebziger Jahre wurde mit dem Bau eines großen Rad- und Wanderwegenetzes begonnen, inzwischen ist es auf 650 Kilometer Länge ausgedehnt. Das Altmühltal hat sich daher wohl zu Recht einen Ruf als "Paradies für Radfahrer" erworben. Und für Bootfahrer ist die Altmühl die geeignete Wasserstraße, um sich mit dem Flusslauf durch das Tal treiben zu lassen. Aber auch als Dorado für Kletterer ist das Altmühltal bekannt. Höchste Schwierigkeitsgrade (bis zum VIII. Grad) bieten die Kletterfelsen bei Dollnstein und Wellheim.

Freizeit-Geologen können in den Plattenkalksteinbrüchen des Jura auf Fossiliensuche gehen. Versteinerungen von rund 700 Tierarten, die vor etwa 150 Millionen Jahren gelebt haben, sind dort schon gefunden worden. Den wertvollsten Schatz hat man mit dem Urvogel Archaeopteryx ausgegraben, der als Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln schon zur Zeit der Saurier lebte. Mehrere Original-Exemplare des berühmten Tieres sind im Jura-Museum in der Eichstätter Willibaldsburg zu sehen. Auch Museen in Solnhofen und im Harthof zeigen die ganze Vielfalt der versteinerten Tier- und Pflanzenwelt aus unvorstellbar fernen Tagen.

Dass sich intakte Natur und alte Kulturen gut ergänzen, wird im Altmühltal besonders deutlich. Die Römer haben in dieser ursprünglichen fränkischen Ferienlandschaft deutliche Spuren hinterlassen. Der heutige Naturpark war das Hinterland des Limes, der römischen Grenzbefestigung gegen die Germanen. Hier wurde eine ganze Reihe von Kastellen für die Grenztruppen angelegt, die noch heute beredtes Zeugnis der Geschichte ablegen können. Die Reste der Thermen von Weißenburg i. Bay. weisen auf die Bedeutung des damaligen Legionslagers Biriciana hin. In Weißenburg i. Bay. ist auch der berühmte "Römerschatz" zu besichtigen. Auch die Kastelle Vetoniana (Pfünz) und Abusina (Eining) und die rekonstruierten Nordtore in Pfünz und Weißenburg geben einen guten Einblick in die vermeintlich sichere Bauweise von Legionslagern der Römer.

An vielen Bauwerken zeigt sich das reiche Leben des Mittelalters. Auf den Anhöhen tauchen prachtvolle Burgen auf, teils liebevoll restauriert, teils nur als Ruinen erhalten. Neben der Willibaldsburg in Eichstätt sind hier vor allem die Rosenburg in Riedenburg, Schloss Prunn, die Burgen von Spielberg und Kipfenberg und die Festung Wülzburg besonders erwähnenswert.

Eine rege Bautätigkeit haben Fürstbischöfe und Adelsherren im Barock und Rokoko im Altmühltal entfaltet. Schlösser und Kirchen, Festsäle und Sommerresidenzen zeigen die Pracht adligen Hoflebens und demonstrieren augenfällig, wie künstlerisches Schaffen sich einer lebendigen Natur anpassen kann.

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