Braukunst ist in der Fränkischen Schweiz Familiensache

In der Nikl-Bräu in Pretzfeld verwirklicht sich der innovative Brauer Mike Schmitt mit seinem Familienunternehmen. Die Erlebnisbrauerei in der Fränkischen Schweiz bietet neben köstlichen Bierkreationen auch Führungen und Seminare sowie das traditionelle „Hausbrauerfassen“ an.

Hallo, mein Name ist Caro Feller, ich wohne in Ingolstadt im Süden des Naturpark Altmühltal, komme aber ursprünglich aus der Nähe von Aschaffenburg und habe in Erlangen studiert – bin also eine waschechte Fränkin. Deshalb bin ich auch als Redakteurin so gerne draußen in Frankens wildromantischer Natur, quirligen Städten und idyllischen Orten unterwegs und schreibe über spannende Begegnungen mit sympathischen und liebenswerten Menschen.

Mit den „Hausbesuchen“ begleiten wir Einheimische bei ihrem täglichen Wirken im Urlaubsland Franken. Diesmal bin ich zu Gast in der Nikl-Bräu und dort nimmt mich Braumeister Mike Schmitt mit in die bierige Welt der Fränkischen Schweiz.

Mit seiner Brauerei hat sich Mike Schmitt einen Traum erfüllt: „Ich wollte schon immer mein eigenes Bier brauen!“, betont er. Den Weg zu diesem Ziel musste er nicht allein gehen: Hinter Mike Schmitt steht seine braubegeisterte Familie.

Nach der Ausbildung zum Brauer und Mälzer arbeitet Mike Schmitt zunächst bei verschiedenen Firmen und absolviert 2006 die Meisterschule. Zwei Jahre später ist die Zeit reif für eine eigene Brauerei, am besten mit angeschlossener Wirtschaft. Ebendiese könnte er von seinen Verwandten in der Schwäbischen Alb übernehmen, doch er lehnt ab. Zu sehr fühlt er sich seiner Heimat, der Fränkischen Schweiz, als Region mit einer der höchsten Brauereidichten weltweit verbunden. Kein Wunder, das Land der Burgen, Höhlen und Genüsse bietet sowohl für Einheimische als auch für Gäste so Einiges: Neben Wander- und Radtouren durch die malerische Landschaft reizt die Naturpark-Region mit zahlreichen Kletterangeboten oder Kanutouren für die ganze Familie auf der Wiesent. Die Fülle an Traditionen und die gelebte (Brau-)Kultur tun ihr Übriges, um Mike Schmitt in der Region zu halten. Das passende Bezugsobjekt findet sich dann dennoch in der Familie. Schmitts Schwiegermutter bietet ihm einen ehemaligen Bauernhof in Pretzfeld an – Mike Schmitt zögert nicht lange und baut den Hof um. Seitdem befinden sich im alten Viehstall in der Egloffsteiner Straße Gaststätte und Brauerei unter einem Dach.

©Nikl-Bräu

Eine Einheit bildet auch die Familie, die geschlossen hinter dem leidenschaftlichen Brauer steht. In dem Drei-Generationen-Betrieb helfen alle mit: Mama Heidi sowie die Tanten Maria und Adelheid kochen, backen und übernehmen den Ausschank im freitags und samstags geöffneten Wirtshaus und auch Mikes ältester Sohn Andre unterstützt seinen Vater, wo er kann. Das ist Mike Schmitt wichtig: „Die Gäste schätzen einen Familienbetrieb. Sie wollen Essen, wie es die Oma gemacht hat.“ Selbst der Name der Brauerei geht auf ein Familienmitglied zurück: Ein Uropa wurde Nikl-Hans genannt.

Eine Spezialität aus Schmitts Sudkessel ist das „Old Django“. Dieser süffige Bock mit viel Hopfen schmeckt ein bisschen nach Williams-Birne. Dafür wird die Bierwürze mit fränkischem Williams-Edelbrand vergoren, natürlich nach altem Familienrezept von Uropa Johann Hofmann. Seines Zeichens selbst Obstbrenner und Liebhaber fränkischer Biere, trug er den Spitznamen „Alter Django“. Andere Sorten wie den „Heaven Hill Bourbon Bock“ lässt Mike Schmitt im Whisky-Fass ausreifen. „Im Prinzip würde es reichen, ein Helles und ein Kellerbier anzubieten. Aber Craftbiere machen mir einfach Spaß und sind interessant“, betont Mike Schmitt. Die Ideen dafür gehen dem experimentierfreudigen Brauer so schnell nicht aus. Auch Bockbierbrände in Kooperation mit der Pretzfelder Edelbrennerei Haas, spezielle Gläser und Krüge sowie Führungen und Brauseminare hat er im Angebot. Neu ist sein „bieriger Getränkeautomat“ im Hof: Hier können Gäste rund um die Uhr gekühlte Getränke genießen.

„Craftbiere machen mir einfach Spaß und sind interessant!“

Mike Schmitt

Jeden ersten Freitag im Monat findet in der Nikl-Bräu zudem das „Hausbrauerfassen“ statt. Dabei füllen sich Bierliebhaber etwa zehn Tage altes Jungbier ab, um es zu Hause ausreifen zu lassen. Viele bringen ihre Holzfässer selbst mit, Mike Schmitt bietet aber auch Fässchen ab zehn Liter Fassungsvermögen an, die problemlos in den heimischen Kühlschrank passen. Zunächst werden die Fässer gereinigt. „Das ist das Allerwichtigste“, erklärt Schmitt mit Nachdruck. „Alles muss hundertprozentig sauber sein, sonst schmeckt das Bier nicht oder es wird schlecht. Ein Brauer ist in diesem Fall eine sehr gute Putzfrau!“. Dann wird das Fass gefüllt und mit der Spundschraube verschlossen. Der Charakter des Bieres hängt davon ab, wie fest diese Schraube zugedreht ist und wie das Bier anschließend gelagert wird. Während das Bier vier bis sechs Wochen bei Temperaturen zwischen null und acht Grad reift, kann es zu Hause mit dem „Zwickl“, wie der Probehahn genannt wird, immer mal wieder probiert werden. Das Geheimnis eines guten Bieres ist die Zeit – und die sollte man sich für entspannten Biergenuss in der Nikl-Bräu auf jeden Fall nehmen.

Wer nun ein kühles Bier in der Fränkischen Schweiz genießen möchte oder vielleicht sogar Interesse an einem Brauseminar der Nikl-Bräu hat, findet weitere Informationen unter www.brauerei-nikl.de. Pretzfeld und die Brauerei sind an das Busnetz des VGN angeschlossen und auch mit der Wiesenttal-Bahn gut erreichbar.

Caro Feller

Verfasst von Caro Feller
am 9. Juli 2021 unter Bierland Franken, Genießerland Franken, Hausbesuche Franken mit den Schlagwörtern Bier, Brauerei, Fränkische Schweiz, Genuss, Kulinarik, Kultur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.